2021 wird es spannend beim Thema Sustainable Finance!

2021
Foto: smshoot (iStock)

Der erste Monat des neuen Jahres 2021 liegt nun bereits hinter uns und noch immer gibt es gefühlt nur das eine Thema: „Corona“! Es sind die Entbehrungen des Lockdowns: Kontaktbeschränkungen, Home-Office-Pflicht sowie Kita- und Schulschließungen, die das Leben vieler Menschen derzeit massiv beeinflussen und auch einen Großteil der medialen Aufmerksamkeit erhalten. Andere dringende Themen wie der „Kampf gegen den Klimawandel“ sind in den letzten Wochen zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung stark in den Hintergrund gerückt. Dabei gibt es hier viel Positives zu berichten und das Jahr 2021 könnte auf dieser Ebene zu einem echten Erfolgsjahr werden:      

Auf globaler Ebene rückt der Klimawandel neben der Corona-Bewältigung wieder stärker in den Fokus

Das Jahr 2021 begann für den globalen Klimaschutz am 20.Januar mit einem bereits vor Monaten angekündigten lauten Knall: Noch am Tag der Amtseinführung von Joe Biden zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika korrigierte dieser die Politik seines Vorgängers und verfügte den Wiedereintritt der USA in das Pariser Klimaabkommen. Der neue Präsident kündigte zudem einen Earth Day Summit für den 22.04. an, auf dem er die Staatenlenker zur weiteren Forcierung ihrer Anstrengungen gegen den Klimawandel aufrufen wird.

Auch im Rahmen des Weltwirtschaftsforums – dieses in normalen Jahren so schillernden Events, bei dem sich das Who’s Who der Wirtschaft und Politik im kleinen Schweizer Alpenort Davos über die dringendsten Probleme der Welt austauscht – war Nachhaltigkeit neben dem Kampf gegen das Corona Virus und seine Folgen wieder ein zentrales Thema: So wies der am 19. Januar veröffentlichte Global Risk Report 2021 neben den von ansteckenden Krankheiten ausgehenden Wirtschaftsrisiken als weitere wesentliche Risiken in fast schon traditioneller Form „Climate Action Failure“, „Biodiversity Loss“, „Human Environment Damage“, „Extreme Weather Events“ und „Natural Resource Crises“ aus. Auch an Versprechungen führender Politiker mangelte es nicht. Hervorzuheben ist sicher die Rede des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, der gesteigerte Anstrengungen Chinas im Kampf gegen den Klimawandel in Aussicht stellte. Passend hierzu veröffentlichte China im Rahmen des Forums neben anderen Ländern wie Japan und Süd-Korea seine Net-Zero-Emissions-Zielsetzung – also den Zeitpunkt, zudem rein rechnerisch über alle nationalen Aktivitäten hinweg Klimaneutralität erreicht werden soll.

Auf EU-Ebene werden 2021 weitere Fortschritte bei der Anpassung des regulatorischen Rahmens zu Gunsten des Klimaschutzes stattfinden

Auch Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, wies in ihrer Grundsatzrede in Davos auf die Bedeutung des Kampfes gegen den Klimawandel neben der Pandemiebekämpfung hin und stellte die führende Rolle Europas hierbei heraus. Schon im vergangenen Jahr hatte die EU Kommission wenig Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie trotz der Corona Pandemie nicht von ihrem Weg in Richtung Nachhaltigkeit abweichen wird. Dies spiegelte sich beispielsweise im EU-Konjunkturpaket mit einer Höhe von 750 Mrd. EUR wieder, das signifikante Anteile für die Förderung nachhaltiger Technologien vorsieht (mehr zum Paket lesen Sie hier).  

Auch die bereits vor der Pandemie entwickelte Sustainable Finance Agenda wurde trotz der unerwarteten Unwägbarkeiten in 2020 weiter umgesetzt: Viel Aufmerksamkeit erhielt im vergangenen Jahr beispielsweise die Vorstellung eines ersten Entwurfs der sogenannten EU Taxonomy – eines Klassifizierungssystems für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Die EU Kommission arbeitet derzeit an den konkreten Ausgestaltungen der delegierten Rechtakte zur Taxonome-Verordnung, die spätestens im zweiten Quartal 2021 erwartet werden. Auch das Ziel der Ausweitung des Klassifizierungssystems um nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten in den Bereichen „Wasser und Meeresschutz“, „Kreislaufwirtschaft“, „Abfall“ und „Biodiversität und Ökosysteme“ bis 2022 wird weiterverfolgt. Die EU Platform on Sustainable Finance plant erste Überlegungen zur Ausweitung der EU Taxonomie ebenfalls im zweiten Quartal vorlegen zu können.

Ohne Zweifel werden sich Finanzmarktakteure im neuen Jahr auf deutlich umfassendere Vorgaben zur Steigerung der Transparenz mit Bezug zu Nachhaltigkeitsthemen einstellen müssen. So werden ab März 2021 die Regelungen der Offenlegungsverordnung für Finanzinstitute gelten, deren konkrete technische Regulierungsstandards ebenfalls gegenwärtig erarbeitet werden. Auch eine Veröffentlichung der überarbeiteten „Non-Financial Reporting Directive“ ist für das zweite Quartal 2021 angekündigt und noch im Herbst wird mit der überarbeiteten Version der MiFID II Richtlinie gerechnet.

Zur Mitte des Jahres wird die EU Kommission darüber hinaus ihre „Erneuerte Sustainable Finance Strategie“ vorstellen, die den breiteren Rahmen und das Sustainable Finance Programm der EU für die kommenden Jahre beschreiben wird.

Und was passiert in Deutschland im Superwahljahr 2021?

Die gute Nachricht zuerst: Auch in Deutschland wurde der Kampf gegen den Klimawandel nicht eingestellt! Zwar mag das Thema durch die umfassende Corona-Berichterstattung derzeit weitgehend aus den Medien verschwunden zu sein, die Bundeskanzlerin wies in ihrer Davos-Rede jedoch nochmals explizit auf die hohe Relevanz des Kampfes gegen den Klimawandel hin und forderte die rasche Umsetzung der jüngst kommunizierten gesteigerten Emissionsreduktionsziele der EU für 2030.

Mit Blick auf Sustainable Finance wird (mit etwas Verspätung) im Frühjahr zunächst die Veröffentlichung der Empfehlungen des Sustainable Finance Beirats der Bundesregierung erwartet. Auf Basis dieser Empfehlungen wird die Bundesregierung voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte eine eigene deutsche Sustainable Finance Strategie vorstellen und damit vielen anderen Ländern folgen.

Die Bundesregierung wird nicht drum herum kommen einige Elemente der Strategie und die Vorgaben der EU trotz oder gerade wegen des Wahljahres voranzutreiben. Sie hat schließlich selbst den Anspruch geäußert, Deutschland zu einem weltweit führenden Standort für Sustainable Finance entwickeln zu wollen. Wir groß die Fortschritte bei der Umsetzung von Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel und bei der Ausrichtung des Finanzsystems sein werden, bleibt abzuwarten. Das Thema „Klimawandel“ wird aber neben dem Kampf gegen Corona und dem Wiederaufbau der Wirtschaft sicher den Wahlkampf dominieren und dann auch wieder mehr mediale Aufmerksamkeit erfahren. Die Ausgangsbedingungen für ein erfolgreiches Jahr 2021 für das Thema Sustainable Finance sind somit durchaus vielversprechend.

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