Aktionsfelder für die deutsche Politik sind vielfältig

Der Markt wird es schon richten! Ja - aber nur, wenn die Politik den entsprechenden Rahmen schafft.

Ein befähigender politischer Rahmen ist erforderlich

Soll die Ausrichtung der Finanzströme in Einklang mit den Anforderungen einer sich nachhaltiger entwickelnden Wirtschaft gelingen und sollen Nachhaltigkeitsaspekte das Finanzsystem in der Breite durchdringen, braucht es den entsprechend unterstützenden politischen Rahmen. Dieser muss die Finanz- und Realwirtschaft befähigen, gemeinsam und proaktiv den Finanz- und Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftssicher zu machen. Neben der positiven Chancenperspektive würden auf diese Weise die heute nicht konsistent und umfassend berücksichtigten Umwelt- und Klimarisiken minimiert. Ansatzpunkte für eine Anpassung des politischen Rahmens haben der WWF und das Green and Sustainable Finance Cluster Germany in Zusammenarbeit mit Akteuren des Finanzsektors und der Wissenschaft in einer Politik-Roadmap zusammengefasst. Sie soll Impulse geben und dazu beitragen, ein zukunftssicherndes Finanzsystem zu schaffen, das als eine tragende Säule von Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in Deutschland dient.

Obwohl der Finanzsektor vielfach als wichtiges Element zur Sicherung von Wohlstand und Stabilität verstanden wird, spielt sein Potenzial zur erfolgreichen Umsetzung gesamtgesellschaftlicher Ziele wie der Energiewende oder der Begrenzung des Klimawandels bislang kaum eine Rolle. Das Finanzsystem steht mit sämtlichen Bereichen unserer Wirtschaft und Gesellschaft in engen Beziehungen: Kapitalflüsse müssen dort ankommen, wo der Weg für eine zukunftsfähige Wirtschaft in Deutschland geschaffen wird. Damit werden gleichzeitig die Risiken zukünftiger Finanzkrisen eingegrenzt oder reduziert. Deutschland sollte entsprechend auch in Europa die Diskussion mit zentralen EU-Staaten gestalten, die sich bereits auf den Weg gemacht haben.

Die Roadmap zeigt Handlungsfelder für die Politik auf

Die Roadmap zeigt Elemente für eine Politikstrategie der Bundesregierung auf, indem sie wichtige Themen- und Handlungsfelder für die kommenden Jahre identifiziert. So geht es im Themenfeld „Transparenz und Offenlegung“ darum, mithilfe einer Klassifizierung ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, welche wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig sind – und welche nicht. An einer solchen Taxonomie arbeitet Brüssel bereits und hat für Klimaaspekte bereits einen ersten Ansatz veröffentlicht. In die Diskussionen um die technischen Aspekte sowie im Hinblick auf Fragen der rechtlichen Geltungsbereiche und Verpflichtungen sollte sich die Bundesregierung konstruktiv einbringen. Zudem sollte sie alle relevanten Akteure im deutschen Finanzsystem – von Versicherungen über Banken und Vermögensverwalter bis hin zu Ministerien und Aufsichtsbehörden  – zusammenbringen, um ein gemeinsames Verständnis darüber zu fördern, wie eine solche Taxonomie im täglichen Agieren bei Finanzmarktakteuren praktisch gelebt werden kann. In einem zweiten Schritt gilt es, Nachhaltigkeitsaspekte transparent zu machen. So müssen etwa Verbraucher bei Finanzprodukten aller Art vor Vertragsabschluss systematisch über deren Nachhaltigkeitswirkung informiert werden, damit eine eindeutige Identifikation und Klarstellung von Präferenzen möglich ist und getroffen werden kann.  

Ein belastbares, solides Risikomanagement, die Bewertung von Investitionsoptionen und das Fällen von Investitionsentscheidungen können nur unter systematischer Nutzung von Szenarien gelingen, die künftige Entwicklungen abzeichnen. Diese Szenarien müssen sich am Wandel hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise genauso ausrichten wie an einer stärker werdenden Klimakrise. Die heutigen Bewertungsgrundlagen vernachlässigen beides und sind eine unvollständige und damit schlechte Grundlage etwa zur Sicherung der Altersversorgung.

Gleichzeitig muss die öffentliche Hand selbst in Vorleistung treten, um dem eigenen Anspruch, „führender Sustainable-Finance-Standort“ zu werden, zu genügen. Hierzu gehört unter anderem eine mit den Klima- und Nachhaltigkeitszielen konsistente Strategie und Kapitalbereitstellung von Einrichtungen der öffentlichen Hand und mit ihr eng verbundener Institutionen (z. B. Förder- und Landesbanken) sowie eine entsprechende Ausrichtung der deutschen Außenwirtschaftsförderung (z. B. Euler Hermes). Außerdem sollte der Bund die öffentlichen Vermögen als beispielgebende Vehikel für die Transformation des Finanzsystems nutzen.

Politik muss Innovationskräfte des Marktes entfalten

„Nachhaltigkeit im Finanzsektor zu etablieren, heißt, Innovationskräfte in Finanz- und Realwirtschaft zu entfalten und Stabilität zu gewährleisten“, so Kristina Jeromin, Co-Geschäftsführerin des Green and Sustainable Finance Cluster Germany. „Genau hier liegt eine Aufgabe der Politik. Insbesondere vor dem Hintergrund von bereits laufenden, intensiven EU-Prozessen zu mehr Nachhaltigkeit im Finanzwesen ist die Bundesregierung gefordert, jetzt zu gestalten, statt noch länger zu warten.“

Weiterführende Informationen zu Aktionsfeldern für die deutsche Politik erhalten Sie hier.

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