Deutsche Sustainable Finance Strategie – ein Wechselbad der Gefühle

Bild: frankpeters/iStock

Mit Spannung ist in den letzten Wochen die Veröffentlichung der deutschen Sustainable Finance Strategie von vielen Finanzmarktakteuren erwartet worden. Am vergangenen Mittwoch hatte das Warten nun endlich ein jähes Ende. Das Bundeskabinett hat am 05. Mai die erste deutsche Sustainable Finance Strategie verabschiedet.

Viel ist in den letzten Tagen hierzu geschrieben worden und schon jetzt ist klar, dass die Strategie ein Kompromiss ist, der die deutsche Finanzindustrie bei erfolgreicher Umsetzung auf ein völlig neues Level bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien heben wird. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass die involvierten Ministerien an einigen zentralen Stellen deutlich hinter den Forderungen des Sustainable Finance Beirats, eines eigens zur Erarbeitung der Strategie eingesetzten Expertengremiums, zurückgeblieben sind. (Eine einschätzung zu den Empfehlungen des Beirats finden Sie hier.)

Was sagt der Beirat zur Sustainable Finance Strategie?

Silke Stremlau – neben Karsten Löffler die Vorsitzende des Beirats – hebt positiv hervor: „Wenn die Bundesregierung ihre Strategie konsequent umsetzt, wird es bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode keine Kreditvergabe und keine Investition mehr geben, deren Wirkung auf Umwelt, Mensch und Gesellschaft unklar ist.“ Gleichzeitig kritisieren die Beiratsvorsitzenden aber auch, dass die Bundesregierung bei einigen Maßnahmen zu vage bleibt. So hätte man sich bspw. bei der dringend notwendigen Qualifizierung von Aufsicht, Vorständen und Aufsichtsräten, oder der eindeutigen Verpflichtung öffentlich-rechtlicher Finanzinstitute auf die Erreichung der Nachhaltigkeits- und Pariser Klimaziele eine deutlichere Positionierung gewünscht.

Was sagen NGOs zur Sustainable Finance Strategie?

Auch von Non-Profit-Organisationen kommt ein eher gemischtes Stimmungsbild. So kritisieren sowohl WWF als auch Germanwatch, dass das Maßnahmenpaket an vielen Stellen zu unkonkret bleibt. Hier bestünde laut Christoph Bals, dem politischen Geschäftsführer von Germanwatch, die Gefahr, dass später ggf. „nachgebessert werden muss“ und dadurch wertvolle Zeit verloren ginge. Dies beträfe bspw. das Nachhaltigkeitskonzept für die Anlagestrategie der Sondervermögen des Bundes, für das konkrete Erläuterungen zur Umsetzung weitgehend fehlten. Bals sieht zudem einen starken Fokus der Strategie auf der öffentlichen Hand. Die schon lange im Raum stehende Forderung nach der Vorreiterrolle öffentlicher Akteure bei der Transformation der Finanzwirtschaft scheint somit zumindest in Teilen durch die neue Strategie adressiert zu werden. Dies spiegelt sich u.a. in der angestrebten Weiterentwicklung der KfW zur Transformationsbank genauso wie in den Zielen zur nachhaltigen Ausrichtung der eigenen Aktienanlagen von Pensions- und Versorgungsfonds wider.

Im Hinblick auf die private Finanzwirtschaft wird aber wohl weiterhin das Tempo primär von Brüssel aus vorgegeben werden. Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland, bemängelt bspw., dass Transparenz zwar in der Strategie als zentrale Grundlage für den Erfolg von Sustainable Finance bezeichnet wird, die Bundesregierung es aber gleichzeitig versäumt, nicht nur große und börsennotierte Unternehmen, sondern das Gros der deutschen Unternehmen bei der Unternehmensberichterstattung hierzu zu verpflichten.

Was sagen Wissenschaftler zur Sustainable Finance Strategie?

Aus der Wissenschaft kommt hingegen viel Lob. So begrüßt bspw. die Wissenschaftsplattform Sustainable Finance, unter der sich die Uni Augsburg, die Uni Kassel, dass DIW, die Frankfurt School of Finance and Management und die Uni Hamburg zum Thema Sustainable Finance koordinieren, die Strategie der Bundesregierung und sieht in ihr einen klaren Beitrag zur europäischen und internationalen Sustainable Finance Agenda sowie ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept. Die Wissenschaftler:innen heben u.a. hervor, dass mit der neuen Strategie zukünftig das Management von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen stärker in den Fokus rücken wird. Als weitere wegweisende Maßnahme bewerten sie die Einführung der Nachhaltigkeitsampel für Anlageprodukte, dank deren Hilfe Anleger:innen zukünftig schnell und einfach die Nachhaltigkeit der Finanzprodukte werden bewerten können. Eile ist nun aus Sicht der Wissenschaftsplattform geboten, um „die im Bericht genannten Zeithorizonte zu konkretisieren, die Verantwortlichkeiten für die Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen zu benennen und ein effektives Monitoring zu gewährleisten.

Was sagen Banken zur Sustainable Finance Strategie?

Bei den Finanzinstituten zeichnet sich hingegen ein gemischtes Bild ab. So befürwortet bspw. die Deutsche Kreditwirtschaft , die Interessenvertretung der fünf kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände, die nun vorliegende Strategie der Bundesregierung, hält allerdings die Einführung einer Nachhaltigkeitsampel für Finanzprodukte für kontraproduktiv, da nationale Kennzeichen eher zu einer Zersplitterung und zu Verwirrung bei den Anleger:innen führen würden. Gleichzeitig mahnt die Deutsche Kreditwirtschaft dringend darauf zu achten keinen regulatorischen Flickenteppich zu schaffen und eine Fragmentierung der Märkte zu vermeiden.

Es bleibt nun abzuwarten, ob es der aktuellen Bundesregierung bzw. der ressortübergreifende Sustainable Finance-Arbeitsgruppe von Finanz-, Umwelt- und Wirtschaftsministerium gelingt, die vielen offenen Fragen zeitnah zu beantworten und in die Umsetzungsphase einzusteigen.

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