Deutscher Finanzsektor strebt Paris-Kompatibilität an

Foto: Sean Pavone (iStock)

Am heutigen Mittwoch haben sich 16 deutsche Finanzmarktakteure – unter ihnen auch diverse Schwergewichte des Sektors – gemeinschaftlich dazu verpflichtet, ihre Kredit- und Investmentportfolios in Einklang mit den Zielen des Pariser Klimabkommens zu bringen.

Produkte, Dienstleistungen und Engagement zu Gunsten des Klimaschutzes:

Die Klimaschutz-Selbstverpflichtung des Finanzsektors ist das deutsche Pendant zum im September 2019 vorgestellten Collective Commitment to Climate Action. Wie auch die Unterzeichner des damals von der UNEP Finance Initiative veröffentlichten Commitments wollen die deutschen Akteure die Begrenzung des Klimawandels auf deutlich unter 2° C ermöglichen und streben das 1,5° C Ziel an.

Konkret bedeutet dies, dass Produkte und Dienstleistungen auf ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele geprüft und ggf. angepasst werden. Zusätzlich wollen die Unterzeichner sich auch in ihren Netzwerken engagieren, um dort den erforderlichen Wandel anzustoßen.

Ob und wie die gemeinsame Agenda institutionalisiert wird, ist der Selbstverpflichtung nicht zu entnehmen. Es finden sich allerdings zahlreiche Hinweise auf ein geplantes gemeinsames Vorgehen in Bezug auf mehrere Fragestellungen: So soll es beispielsweise gegenseitige Unterstützung bei der Erhebung von Emissionsdaten, der Methodenentwicklung und der Erarbeitung von Ansätzen zur Paris-kompatiblen Steuerung von Geschäftstätigkeiten geben.

Erste Maßnahmen sollen nun schnell folgen.

Die Unterzeichner verpflichten sich zudem, schon innerhalb des ersten Jahres nach Unterzeichnung erste konkrete Maßnahmen zu implementieren. Welche dies sein könnten, wird nicht näher spezifiziert. Eine Steuerung der Portfolios anhand sektorspezifischer, auf Klima- bzw. Transitionsszenarien basierender Zielsetzungen wird jedoch erst mittelfristig bis 2022 angestrebt.

Anders verhält es sich mit der Berichterstattung zur Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen. Diese wird nun jährlich von den Unterzeichnern veröffentlicht und auch einen gemeinsamen Fortschrittsbericht zur Umsetzung der Agenda wird es geben.

Verpflichtung greift BaFin-Forderungen und EU Regulierungen auf

Mit der inhaltlichen Ausgestaltung der Selbstverpflichtung greifen die Finanzmarktakteure gleich mehrere Forderungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf. Diese hatte in einem im Dezember 2019 veröffentlichten Merkblatt unter anderem dazu aufgefordert, die eigenen Geschäftsfelder hinsichtlich potenzieller Nachhaltigkeitsrisiken zu analysieren und ggf. auch mit von potenziellen Risiken besonders betroffenen Unternehmen in einen kritischen Dialog einzutreten. Sie empfahl den von ihr beaufsichtigten Finanzmarktakteuren zudem Sensitivitäts- und Szenarioanalysen anzuwenden, um die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens im Hinblick auf physische und Transitionsrisiken zu bewerten.

Die Selbstverpflichtung greift zudem auch der von der Europäischen Wertpapier und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) angekündigten Überarbeitung der MiFID II Richtlinie voraus, denn gemäß ESMA werden zukünftig die Nachhaltigkeitspräferenzen von Privatanlegern im Rahmen der Geeignetheitsprüfung während des Anlageberatungsgesprächs abgefragt werden müssen. Die überarbeitete Richtlinie soll noch im Jahr 2020 veröffentlicht und in der ersten Hälfte des kommenden Jahres umgesetzt werden. Die Selbstverpflichtung der Finanzmarktakteure adressiert somit viele hoch aktuelle Fragestellungen rund um die Etablierung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnisses und dessen Integration in Kernprozesse. Auch nicht teilnehmende Finanzinstitute können von den zu erarbeitenden Inhalten proitieren, denn diese werden zukünftig frei verfügbar sein. Darüber hinaus besteht aber für Interessierte auch die Möglichkeit, sich nachträglich der Selbstverpflichtung anzuschließen und so direkt an der Arbeit der Gruppe mitzuwirken.

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