Die Klimabank von morgen, schon heute

Foto: hallojulie (iStock)

Eine zentrale Frage von nachhaltigem Investment ist sein Beitrag zu einer klimaneutralen, resilienten Wirtschaft. Nicht zuletzt dank der Friday’s for Future Bewegung ist der Kampf gegen den Klimawandel ein Thema von immenser politischer Bedeutung. Das Pariser Klimaabkommen, welches (mit Wiedereintritt der USA) nahezu die gesamte Weltwirtschaft umfasst, fordert nicht nur Ziele der Staatengemeinschaft zum Klimaschutz und deren Umsetzung. Der Artikel 2.1 c) legt fest, dass auch das globale Finanzsystem seinen Beitrag dazu leisten soll, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu beschränken.

Die Frage, wie klimafreundliche Investitionen aussehen sollten, treibt nicht nur private Akteure um, sondern auch Förder- und Entwicklungsbanken der öffentlichen Hand.  Mit mehr als 2.3 Billionen Dollar an jährlichen Investitionen kommt ihnen eine Schlüsselrolle zu, die globalen Finanzströme im Sinne des Pariser KLimaabkommens zu gestalten. Neben nationalen Schwergewichten wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), sind dies vor allem multilateralen Entwicklungsbanken (MDBs) wie die Welt Bank, die Europäische Investitionsbank (EIB) oder die Asian Development Bank (ADB). Deren politisches Mandat sieht die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung auf globaler Ebene vor und bildet somit auch einen wichtigen Baustein für den Kampf gegen den Klimawandel. Somit sind sie prädestiniert einen Präzedenzfall für Paris-konformes Banking zu schaffen.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen noch

Zu diesem Zwecke haben die MDBs vor drei Jahren bei der Klimakonferenz in Madrid angekündigt, ihre Geschäftsaktivitäten zu reformieren, doch der Prozess dauert an. Die MDB-Methodik setzt sich aus sechs Bausteinen zusammen:

  1. Reduktion klimaschädlicher Emissionen durch Investitionen in klimafreundliche Projekte.
  2. Anpassung an den Klimawandel und Steigerung der Resilienz in Partnerländern.
  3. Signifikante Steigerung des Anteils der Klimafinanzierung an den jährlichen Gesamtinvestitionen.
  4. Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung von klimapolitischen Strategien und Reformen.
  5. Berichterstattung zum Fortschritt in der Klimafinanzierung.
  6. Klimafreundliche Gestaltung von Liegenschaften, internen Prozessen und Aktivitäten.

Als unabhängige klimapolitische Denkfabrik hat E3G die MDB Methodik mit insgesamt 15 Metriken weiter verfeinert und den Fortschritt der MDBs analysiert. So schauen wir uns beispielsweise im ersten Baustein die internen Instrumente einer MDB an, um klimafreundliche Projekte zu fördern. Grundsätzlich gilt: In unserer Analyse betrachten wir Strukturen und Institutions-weite Strategien und Prozesse, um ein ganzheitliches Verständnis der transformativen Anstrengungen der MDBs zu bekommen.

Das Ergebnis ist klar: alle MDBs sind noch weit davon entfernt, Paris-konform zu agieren. Aber unsere feinteilige Analyse zeigt auch, dass ausgewählte MDBs sich in spezifischen Themen besonders hervortun und hier bereits weit fortgeschritten sind. So lässt sich aus einer Verbindung der Best Practices das Bild einer transformativen, klimafreundlichen Entwicklungsbank zeichnen, dessen Wurzeln in realen Anstrengungen der MDBs liegen.

Was braucht es für eine echte Klimabank?

Jene MDBs, die eine weitreichende strategische Vision für ihre Rolle im Klimaschutz entwickelt haben, tun sich auch im Gesamtbild positiv hervor. Hier ist die Europäische Investitionsbank hervorzuheben, deren Klimabank Fahrplan an einem 1.5 Grad Szenario des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ausgerichtet ist. Als erstes großes Finanzinstitut strebt die EIB gemäß Fahrplan außerdem die bankweite Anwendung der EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzierung an. Die EIB ist daher als einzige MDB im Bereich der Klimastrategie als Paris-konform bewertet worden.

Allerdings müssen sich strategische Ambitionen der gesamten Organisation auch in einzelnen Geschäftsfeldern wiederfinden. Hier besteht bei der EIB noch Handlungsbedarf, da die Vision des Klimabank Fahrplans noch nicht alle Sektoren durchdrungen hat, so zum Beispiel im Bereich Mobilität. Die Inter-American Development Bank (IDB) hat mit Klimastrategien für einzelne Sektoren einen spannenden Präzedenzfall gesetzt. Die Sektor Strategien legen dar, welche Schwerpunkte, Herausforderungen, Probleme und Opportunitäten der Klimawandel in Sektoren wie Wasser, Energie, Mobilität, Urbane Entwicklung oder Landwirtschaft mit sich bringt.

Die Umsetzung der strategischen Klimaziele erfordert entsprechende Instrumente

Gerade die Transformation von der CO2-intensiven zur CO2-neutralen Wirtschaft birgt eine außerordentliche Herausforderung. Drei Instrumente helfen dabei, Investitionen entsprechend umzulenken:

  1. Ausschluss von Investitionen in fossile Energieträger
  2. Bepreisung von CO2-Emissionen, um die realen Kosten eines Projektes aufzuzeigen, und
  3. Festlegung von technologischen Mindeststandards und Anforderungen.

Sowohl beim Ausschluss von fossilen Energieprojekten wie auch bei der Anwendung eines CO2-Schattenpreises ist die EIB Spitzenreiterin. In ihrer Energiekreditlinie hat die EIB nahezu die gesamte fossile Energieerzeugung ausgeschlossen. Der Ausschluss von Kohle ist bereits mehr oder weniger MDB-weiter Konsens. Das Ende von Investitionen in Öl und Gas als Energiequelle ist jedoch bei keiner der MDBs abzusehen. Während Ölkraftwerke komplett ausgeschlossen sind, hat die EIB strikte Kriterien für Gaskraftwerke definiert, die maximale Effizienz und einen Ausstiegsplan erfordern.

Ähnlich verhält es sich bei der Bepreisung von Emissionen. Die Anwendung eines Schattenpreises für CO2 kann die wirtschaftliche Bewertung von Projekten nachhaltig verändern und somit klimafreundliche Alternativen bevorteilen. Im Kern geht es um die Internalisierung von Externalitäten. Hier sieht der Klimafahrplan der EIB einen bis 2030 auf 250 € pro Tonne CO2 steigenden Preis welcher damit deutlich höher ist als der anderer MDBs. Doch die Anwendung des Schattenpreises ist entscheidend. Da es sich um modellierte Emissionsdaten handelt, können die zugrunde liegenden Annahmen, beispielsweise im Bereich der Mobilität, das transformative Potenzial des Preises abschwächen. Transparenz dazu, wie der Preis angewandt wird, ist entscheidend.

Das dritte Instrument ist die Festlegung von minimalen Standards für geförderte Technologien. Öffentliche Entwicklungsbanken mit anderem Risikoappetit haben hier mehr Spielraum als private Institutionen, um Innovationen zu fördern. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat mit dem Green Economy Transition 2.1 Ansatz umfassende Effizienzstandards festgelegt, vor allem in den Bereichen Transport- und Gebäude-Investitionen. Bei letzterem setzt die Bank vor allem auf Industriestandards für effizientes Bauen wie den Leadership in Energy and Environment Design (LEED) Standard, hat aber gleichzeitig auch eigene Grundsätze für energieeffizientes Bauen entwickelt. Darüber hinaus setzt die EBRD aber auch bei Partnerbanken Standards zu Energieeffizienz voraus und kann so die Verankerung von Innovationen im Markt unterstützen. (weitere Details zur EBRD finden Sie hier)

Klimarisiken müssen ebenso mitgedacht werden

Längst ist aber nicht mehr nur der Kampf gegen den Klimawandel durch Reduzierung von Emissionen ein zentrales Thema für den Finanzsektor, sondern leider auch der Umgang mit dessen Auswirkungen. Daher müssen die Risikomodelle von Banken um eine Klimarisikodimension erweitert werden. Hier haben sich vor allem jene MDBs hervorgetan, deren Fokusregionen besonders vulnerabel sind – allen voran die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB). Die AfDB hat nicht nur als eine der ersten MDBs angefangen Klimarisiko systematisch in die Projektentwicklung und -evaluierung zu integrieren. Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, das designierte Klimafinanzierung zu gleichen Teilen in Anpassung- und Minderungsmaßnahmen investiert werden. Gerade der Afrikanische Kontinent ist bereits massiv vom Klimawandel betroffen und so überrascht es nicht, dass die AfDB als einzige MDB dieses Ziel erreicht. Dies ist nicht zuletzt ein Erfolg des innovativen Adaptation Benefit Mechanism, der versucht die Wirtschaftlichkeit von Anpassungsmaßnahmen aufzuzeigen.

Den Auswirkungen des Klimawandels kann die Menschheit mit unterschiedlichen Maßnahmen begegnen. Ein vielversprechender Ansatz sind natürliche Schutzmaßnahmen, wie etwa Mangrovenwälder als Schutz vor Überflutung, oder Wälder um Desertifikation und Bodenerosion vorzubeugen. Hier ist die Asiatische Entwicklungsbank Vorreiterin. Die Bank hat ein weitreichendes Rahmenwerk, um natürliche Infrastruktur in ihre Projekte zu integrieren und so die Anpassung an den Klimawandel zu fördern. Nichtsdestotrotz ist, wie auch bei allen anderen MDBs, die Frage der Landnutzung und des Schutzes von Naturflächen ein kontroverses Thema für die ADB, in der es immer wieder zu Nachhaltigkeitskonflikten kommt. Hier gibt es also bei allen MDBs noch Handlungsbedarf.

Die Kooperation mit Partnern ist entscheidend

Von ganz besonderer Bedeutung sind im Kampf gegen den Klimawandel Kooperation mit Partnerländern. Wie private Banken sind auch die MDBs auf die Kreditnachfrage ihrer Klienten angewiesen. Allerdings haben sich die MDBs zu Denkfabriken für Länderstrategien entwickelt, und beteiligen sich aktiv an Planungen zur wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Klienten. Die Inter-American Development Bank schlägt in ihrer Länderarbeit einen transformativen Weg ein und fördert aktiv die Entwicklung von Langzeitstrategien, die einen Pfad für eine tiefe Dekarbonisierung der Wirtschaft aufzeigen. Besonders ist hier die Kooperation mit Costa Rica hervorzuheben, die dazu beigetragen hat, dass das Land heute als Vorreiter im Klimaschutz gilt. Die Nutzung hauseigner Expertise, um das Problem des Klimawandels anzugehen, ist nicht nur für öffentliche Banken ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Mehrwert. Auch private Banken sollten ihre Klienten aktiv bei der Identifizierung von klimafreundlichen Lösungen unterstützen, nicht zuletzt im wirtschaftlichen Eigeninteresse.

Dies bringt uns zum finalen Punkt: transparente Berichterstattung und Führungsrolle der Banken . Eine transformative Klimabank muss ihre eigenen Anstrengungen, Erfahrungen und Einsichten nutzen, um andere Banken zu einer Transformation zu motivieren. Die MDBs haben hier bereits viel geleistet. So sind sie zum Beispiel an der Spitze der Green Bond Bewegung und haben damit einen Multi-Milliarden-Dollar-Kapitalmarkt ins Rollen gebracht. Allerdings dürfen sie sich nicht auf diesen Erfolgen ausruhen. Die Schnelligkeit, mit der das Finanzsystem gerade reformiert wird, so zum Beispiel durch verpflichtende Klimarisiko-Berichterstattung oder die EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzierung, setzt die MDBs unter Druck sich weiterzuentwickeln, um auch weiterhin als Innovationshubs wahrgenommen zu werden.  Ebenso ist es essenziell, dass die MDBs transparent über ihre Fortschritte und die Klima-Kompatibilität ihrer Portfolios berichten. Hier besteht noch deutlicher Nachholbedarf. Gerade die Frage danach, wie mit Klienten:innen und Kooperationspartner:innen umgegangen wird, die sich noch nicht ausreichend mit der Herausforderung des Klimawandels auseinandergesetzt haben, wird die Debatte um echtes, Paris-konformes Banking weiter prägen.

Die vier Seiten einer Klimabank

Was muss also eine transformative Klimabank mit sich bringen, um glaubwürdig dieser Herausforderung entgegen zu treten? Erstens muss sie ein kohärentes strategische Rahmenwerk erarbeiten, dass die Herausforderungen und Opportunitäten des Klimawandels in die Gesamtorganisation, das Geschäftsmodell und die einzelnen Geschäftsbereiche integriert. Zweitens bedarf es innovativer Instrumente, die in der Lage sind, die strategischen Ziele im Alltagsgeschäft umzusetzen und so die Logik der Finanzierung um eine Klimadimension zu erweitern. Die Bank muss drittens in der Lage sein, die Auswirkung des Klimawandels, wie etwa erhöhte Wahrscheinlichkeit von Dürren oder Überschwemmungen, in ihrer Finanzierung mitabzubilden, einzupreisen und durch Anpassungsmaßnahmen zu reduzieren. Und zuletzt muss sie durch transparente Berichterstattung und Interaktion mit Klienten:innen, Partnerorganisationen und Gesellschaft ihre interne Transformation auf das Finanzsystem übertragen. Die multilateralen Entwicklungsbanken, wenn auch längst nicht frei von Zweifel und Kritik, sind hier bereits wichtige Schritte gegangen. Diese sollten wir nicht außer Acht lassen.

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