Notkredite nur bei TCFD-konformer Berichterstattung

Foto: Castle City Creative (iStock)

Unternehmen müssen die Transparenz zu klimabezogenen Risiken deutlich verbessern. Diese Forderung, besteht bereits seit einigen Jahren und ein entsprechender Rahmen wurde 2017 von einer explizit hierfür vom G20 Financial Stability Board eingerichteten Task Force erarbeitet. Durch die Corona-Pandemie könnte nun eine beschleunigte Umsetzung der Task-Force-Empfehlungen folgen.

Kanada fordert mehr Transparenz

Wie die Regierung von Justin Trudeau am 11. Mai mitteilte, müssen Unternehmen, die in Folge der Corona-Pandemie auf staatliche Unterstützung in Form eines „Notfallkredits für große Arbeitgeber“ (LEEFF) hoffen, ihre Klimaberichterstattung in Einklang mit den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) bringen.  

Dies betrifft alle Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 300 Millionen CAD. Aufhorchen lässt dies auch deshalb, weil Kanada zu einem der größten THG-Emittenten der OECD gehört. Insbesondere die kanadische Teersand-Industrie dürfte aufgrund der einbrechenden Nachfrage und des aktuellen Überangebots an Öl stark leiden. Die Gewinnung von Öl aus Teersanden ist nämlich nicht nur unter Umweltaspekten als hoch-problematisch einzustufen. Sie ist zudem auch verhältnismäßig teuer, weshalb die Unternehmen der Branche durch den geringen Öl-Preis überproportional hart getroffen werden. Es dürfte eine große Herausforderung für diese Unternehmen werden, eine schlüssige, wissenschaftlichen Erkenntnissen folgende Erklärung dafür zu liefern, wie ihre zukünftigen Operationen die ökologische Nachhaltigkeit und die nationalen Klimaziele unterstützen werden.

Ist die kanadische Regierung konsequent, so könnten die definierten Voraussetzungen für den Erhalt von Notfallkrediten kurzfristig zu stranded Assets im Bereich der emissionsintensiven Branchen führen und vor allem bei Pure Playern ohne Transformationsperspektive auch Insolvenzen zur Folge haben. Ob sie in Anbetracht der großen Abhängigkeit von diesen Branchen diese Konsequenz zeigt, bleibt allerdings abzuwarten.

Unabhängig davon setzt sie einen wichtigen Impuls zur Stärkung der Nachhaltigkeit in kanadischen Großkonzernen. Diese werden sich nun sehr kurzfristig mit der vertieften Analyse der Nachhaltigkeit ihrer Geschäftsaktivitäten befassen müssen. Sie werden Kompetenzen im Bereich der Klima-Szenarioanalyse aufbauen und mit den Pariser Klimazielen kompatible Transformationspfade entwickeln.

Auch an anderer Stelle machte die kanadische Regierung in Bezug auf Nachhaltigkeit kürzlich auf sich aufmerksam. Sie ernannte am 1. Mai Tiff Macklem, einen Spezialisten für nachhaltige Finanzen, zum Governor der kanadischen Zentralbank. Er empfahl in seiner früheren Funktion als Vorsitzender des Expertengremiums für nachhaltige Finanzen, das die kanadische Regierung berät, die Berichterstattung der Unternehmen über ihre Exposition gegenüber Klimarisiken zu verstärken. Auch für kanadische Finanzinstitute könnten folglich zukünftig ambitioniertere Transparenzpflichten gelten.

Transparenz-Forderungen bestehen auch in Deutschland

Mit Blick auf Deutschland forderte auch der Sustainable Finance Beirat – wie wir kürzlich berichteten – in seinem im März veröffentlichten Zwischenbericht die Sicherstellung einer verbesserten Berichterstattung zu Nachhaltigkeitsthemen. Neben einer standardisierten integrierten Nachhaltigkeits- und Finanzberichterstattung für große und mittelgroße Kapitalgesellschaften sowie für Unternehmen mit besonderen Risiken, wirken die deutschen Experten auf regelmäßige Klima-Stresstests und Szenarioanalysen sowie eine verpflichtende TCFD-konforme Berichterstattung für börsennotierte Unternehmen ab 2022 hin.

Der WWF und Germanwatch forderten in einem Anfang Mai veröffentlichten Positionspapier zur Vergabe von Konjunkturhilfen in Deutschland eine verpflichtende, den TCFD-Empfehlungen entsprechende Berichterstattung. Die Konjunkturhilfen könnten so zu einem Beschleuniger für die Verbreitung einer verbesserten Nachhaltigkeitsberichterstattung werden.

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