Rechtsstreit erfolgreich: Pensionsfonds wird nachhaltig

Foto: Zerbor (iStock)

Mit viel Aufmerksamkeit dürften Treuhänder rund um den Globus den Verlauf des Rechtsstreits Mark McVeigh vs. Retail Employees Superannuation Pty Ltd (REST) verfolgt haben:

Ein damals 22-jähriger australischer Ökologie-Student fragte 2017 bei seinem Pensionsfonds Informationen zum Management finanzieller Risiken an, die aus dem Klimawandel resultieren. Der etwa 40 Mrd. USD schwere Fonds, der Pensionsgelder für rund 1,7 Millionen Menschen verwaltet, antwortete auf die Fragen des Studenten damals nur unzureichend, sodass dieser sich ein Jahr später entschloss, rechtliche Schritte vor dem australischen Bundesgericht gegen REST einzuleiten.

Nach dem Gesetz sind die Treuhänder des australischen Pensionsfonds dazu verpflichtet mit Sorgfalt, Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit im besten Interesse der Mitglieder zu handeln. Hierzu gehört auch das Management materieller Risiken für ihre Investitionsportfolios. Der Student argumentierte, dass sein Pensionsfonds es versäumt habe, klimabezogene materielle finanziellen Risiken zu managen. Hierzu würden z.B. Abwertungsrisiken für Unternehmen aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe aber auch physische Risiken wie Extremwetter gehören, die bspw. die Infrastruktur beschädigen könnten.

Vergleich verhindert einen Präzedenzfall

Heute – nach knapp zweieinhalb Jahren Verhandlungszeit – legten die beiden Parteien ihren Rechtsstreit nun bei. In einem Vergleich stimmte der Pensionsfonds zu, dass das Management der finanziellen Risiken des Klimawandels Teil der treuhänderischen Pflichten sei. Gleichzeitig verpflichtete sich REST zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen in seinen Investments bis zum Jahr 2050.

Auch wenn die Forderungen des Studenten damit weitgehend erfüllt sein dürften, so kritisierte ein mit dem Fall vertrauter Experte anschließend, dass die Bedeutung des Rechtsstreits durch die außergerichtliche Beilegung gesunken sein könnte – und dies obwohl unter Juristen wie Wirtschaftsakteuren weitgehend akzeptiert ist, dass die beschriebenen Pflichten mit Bezug zu Klimathemen bestehen.

Für REST dürfte die Arbeit indes nun erst richtig losgehen. Der Fonds hat angekündigt, umgehend mit einer Analyse seiner Investitionsstrategien unter verschiedenen Klimawandel-Szenarien zu beginnen. Er will zudem alle im Investmentportfolio befindlichen Beteiligungen veröffentlichen und sich dafür engagieren, dass Unternehmen, in die er investiert, ihren Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele leisten.

Auch wenn in Australien kein Präzedenzfall geschaffen wurde, so zeigt der Rechtsstreit doch, dass die Außerachtlassung klimabezogener Risiken im Rahmen des Investitionsentscheidungsprozesses weitreichende Klagerisiken für Treuhänder mit sich bringen kann.   

Das vollständige Statement von REST zum Vergleich lesen Sie hier.

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