WWF-Rating für Deutschlands 14 größte Banken

Foto: Zeilgalerie (iStock)

Die Transformation des Bankensektors zur Stärkung der Nachhaltigkeit steckt nach wie vor in den Kinderschuhen und das, obwohl immense finanzielle Verluste durch abrupte Veränderungen der Rahmenbedingungen drohen, wenn eine rechtzeitige Transformation verpasst wird.

Druck zur Stärkung von Nachhaltigkeit in Banken wächst

Und die Zeit drängt, denn auch bei den Aufsichtsbehörden rücken Nachhaltigkeitsrisiken immer deutlicher in den Fokus: Die europäische Bankenaufsicht (EBA), die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) arbeiten aktuell an konkreten Vorschlägen und Regulierungen für die Banken. So empfiehlt die BaFin eine stärkere Fokussierung auf Nachhaltigkeitsrisken im Risikomanagement der Banken und die EBA prüft Transparenzpflichten zu derartigen Risiken. Spätestens mit Inkrafttreten derartiger Regulierungen wird für Banken eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsaspekten in ihrem Kerngeschäft unumgänglich werden. Es liegt im ureigenen Interesse der Banken nun Kompetenzen und Ressourcen im Hinblick auf die Thematik aufzubauen und sich auf die bevorstehenden Änderungen vorzubereiten.

Mit dem diesjährigen ersten Bankenrating des WWF in Deutschland sollen Banken aber auch Politik, Medien und vor allem die Kundschaft einen Überblick über die erreichten Nachhaltigkeitserfolge in der deutschen Bankenlandschaft erhalten. Bewertet wurden 14 Banken, die nach Bilanzsumme zu den größten in Deutschland tätigen Kreditinstituten gehören und Privatkunden und/oder Geschäftskunden ein umfassendes Angebot an Bankleistungen anbieten. Berücksichtigt wurden Universalbanken aus den drei Bereichen privatwirtschaftliche Kreditinstitute, öffentlich-rechtliche Sparkassen und Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken.

Grundlage des Ratings ist die vom WWF entwickelte Vision 2025 für ein zukunftsfähiges Banking. In ihr ist festgelegt, wie Banken mittelfristig ihre eigenen Geschäftstätigkeiten und die interne Aufstellung in Bezug zu Nachhaltigkeitsaspekten ausrichten sollten, um somit ihre Zukunftsfähigkeit zu bewahren. Während sich die Angaben des Fair Finance Guide auf die  von Banken veröffentlichten Richtlinien für Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen beziehen, basiert das WWF-Rating auf einer Analyse der Bereiche „Unternehmensführung“, „Sparen & Anlage“ sowie „Finanzierungen“. Da ein Teil relevanter Informationen allerdings regelmäßig nicht veröffentlicht wird, hatten die analysierten Banken Gelegenheit die bereits aus veröffentlichten Informationen gewonnenen Ergebnisse zu kommentieren, zu ergänzen oder zu korrigieren. Voraussetzung einer Ergänzung bzw. Korrektur war der Beleg über belastbare Quellen, beispielsweise interne Richtlinien. Offene Fragen wurden mit allen aktiv beteiligten Banken mit Hilfe bilateraler Workshops vor Ort bei den Banken sowie im Rahmen von Telefonaten mit den Beteiligten geklärt. Elf der vierzehn Banken haben aktiv an dem Ratingprozess teilgenommen.

WWF Rating deckt Entwicklungspotenziale auf

Weder im Private noch im Corporate Banking erreicht eine der bewerteten Banken die beiden höchsten Kategorien „Visionär“ und „Vorreiter“. Von einer im Sinne der Vision 2025 nachhaltig agierenden Bank sind alle bewerteten Banken durchaus noch  entfernt.

Im Bereich Private Banking erreicht lediglich die Deutsche Kreditbank (DKB) die Gesamtbewertung „Verfolger“ und liegt damit an der Spitze des Feldes. Im Corporate Banking erreichen neben der DKB auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die ING-Diba die Bewertung „Verfolger“.

Das Rating zeigt, dass die Banken trotz der sichtbaren intensivierten Bemühungen im Hinblick auf eine Verbesserung ihrer klima- bzw. nachhaltigkeitsbezogenen Strategien, Ziele und Maßnahmen noch weitestgehend am Anfang des Anpassungsprozesses stehen. Eine flächendeckende Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die eigenen Geschäftstätigkeiten ist bislang nicht zu beobachten. So ist der Einsatz von Instrumenten zur Ermittlung von Nachhaltigkeitsrisiken für Kredit- und Anlageportfolios bisher kaum zu beobachten. Existierende Empfehlungen, Instrumente und Initiativen, beispielsweise der Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD), das Paris Agreement Capital Transition Assessment Tool (PACTA) oder die Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) werden bisher nur von wenigen im Rating untersuchten Banken um- bzw. eingesetzt.

Auch das Produktangebot für Kunden ist noch immer unterentwickelt. Das Angebot an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten hat zwar in den vergangenen Jahren insgesamt an Breite gewonnen, stellt sich aber insgesamt noch recht unterschiedlich dar. Während es im Bereich des nachhaltigen Kontosparens aktuell kaum Angebote gibt, sind die Auswahlmöglichkeiten für private und institutionelle Anleger im Bereich der Fonds und ETFs in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Insbesondere für institutionelle Anleger besteht heute die Möglichkeit, auf individuellen Vorgaben basierende, nachhaltige Spezialfonds aufzulegen. Aber auch Privatanleger können in Deutschland aus mehr als 400 Nachhaltigkeitsfonds auswählen. Daneben bieten die bewerteten Banken u. a. Anlagen in den Bereichen nachhaltige Immobilien und Mikrofinanz.

Vor allem private Anleger werden bislang jedoch noch selten aktiv auf nachhaltige Produkte angesprochen. Da sich dies mit der Reform der Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) zum Jahresanfang 2021 zwangsweise ändern wird, haben die Banken angekündigt, 2020 in entsprechende Anlageprodukte und die Beraterausbildung investieren zu wollen. Finanzprodukte, die die Transition der Realwirtschaft fördern, sind weiterhin Nischenprodukte und werden nur von wenigen Banken angeboten.

Wie bei den Kapitalanlagen zeigen sich auch bei den Finanzierungen deutliche Unterschiede zwischen Privat- und Geschäftskunden. Während Klima-/ Umweltaspekte bei der Kreditvergabe für Privatkunden so gut wie keine Rolle spielen, haben alle relevanten bewerteten Banken für ihre Finanzierungen für Unternehmen teilweise sehr umfassende Richtlinien verabschiedet. In denen legen sie insbesondere fest, für welche Branchen, Geschäftsfelder oder Projekte sie keine Finanzierungen mehr bereitstellen wollen. Kohlebergbau und die Kohleverstromung sowie besonders umweltzerstörerische Technologien und Fördertechniken wie das hydraulische Fracking oder der Abbau von Ölsand zählen zu den häufigsten Ausschlusskriterien. Leider sind nicht bei allen Banken die konkreten Regelungen transparent. Einzelne Banken haben damit begonnen, die Policies mit Ausschlüssen von der Projektfinanzierung auf die allgemeine Unternehmensfinanzierung auszudehnen und durch eine Auswahl von Finanzierungen zu ergänzen, bei denen sie sich zukünftig verstärkt engagieren wollen. Dazu gehören regelmäßig Finanzierungen von erneuerbaren Energien.

Bei Finanzierungen haben einige Banken, darunter z. B. BayernLB, DZ Bank und ING-Diba, mit Produkten wie Green Loans und Sustainability Linked Loans erste Angebote am Markt platziert, bei denen die Verwendung der Kredite für Investitionen in den Umwelt- und Klimaschutz bzw. die Entwicklung der Nachhaltigkeitsleistungen der Kreditnehmer berücksichtigt wird. Im Vergleich zu konventionellen Finanzierungsprodukten ist der Anteil dieser Finanzierungen aber noch gering. Verschiedene Banken, darunter die DKB, die DZ Bank, die HypoVereinsbank und die LBBW, haben sowohl eigene Green Bonds emittiert als auch Unternehmenskunden bei der Emission von Green Bonds beraten und begleitet. Insgesamt ist das Produktangebot bei Finanzierungen allerdings im Vergleich zur Kapitalanlage als deutlich geringer zu bewerten.

Das Ergebnis der Analyse fällt ernüchternd aus

Gemessen an der Dringlichkeit des Handelns sind die großen deutschen Banken weit entfernt von einer systematischen Integration von Nachhaltigkeit in ihren Kerngeschäftsfeldern. Keines der betrachteten deutschen Kreditinstitute zeigt sich in so zukunftsgerechter Verfassung, wie es z.B. in der WWF-Vision einer „zukunftsfähige Bank 2025“ skizziert ist.

Die anstehenden Regulierungen und Veränderungen werden alle Banken gleichermaßen betreffen. Daher sind deutlich stärkere Anstrengungen und ein Zusammenwirken der einzelnen Banken notwendig, um zukünftige Risiken mit geeigneten Instrumenten erfassen und steuern zu können. Auch die gemeinsame Entwicklung von Methoden und die Standardisierung dieser Methoden sind daher zwingend erforderlich.

Es ist davon auszugehen, dass schon sehr bald ein besseres Verständnis für Nachhaltigkeitsaspekte bei institutionellen Anlegern aber vor allem bei Privatanlegern bestehen wird. Für die Banken gilt es daher, die bestehenden Defizite im Hinblick auf ihre eigene Nachhaltigkeitsleistung aber vor allem auch auf das bestehende Angebot und die Beratungskompetenz umgehend zu beheben.

Zum vollständigen Rating gelangen Sie hier.


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